Mannheimer Morgen-Serie: Was macht… Ümit Davala ?

Als Spieler hat der Mannheimer viele Meisterschaften gefeiert / Jetzt kämpft er als Trainer in der Türkei gegen den Abstieg

16. November 2017 / Autoren: Andi Nowey

Mannheim/Istanbul.In den vergangenen Jahren hat sich im Mannheimer Fußball ein Trend entwickelt: Immer mehr türkischstämmige Fußballer leben den Traum vom Profifußball und versuchen, den Sprung aus dem Mannheimer Kreisfußball in den türkischen Profibereich zu schaffen. Einer, der hierbei eine Vorreiterrolle spielt, ist einer der erfolgreichsten Fußball-Söhne, die die Stadt Mannheim hervorgebracht hat: Ümit Davala war 1994 im Alter von 20 Jahren vom FC Türkspor Mannheim ausgezogen, um sich dem Club Afyonspor in der türkischen Dritte Liga anzuschließen. „Zunächst war es für alle ein Schock. Ich habe meine Ausbildung abgebrochen. Aber ich wollte es versuchen und man muss eben Risiken eingehen, wenn man etwas erreichen will“, blickt Davala zurück. Auf Vermittlung eines Vorstandes des FC Türkspor spielte Davala in der türkischen Provinz vor und ging durch eine Knochenmühle.

„Es war eine ganz andere Kultur, ein ganz anderes Leben. Es gab nicht einmal ein Kino und ich habe in der ersten Zeit im Clubhaus gewohnt“, erinnert er sich. „Dazu habe ich kaum gespielt und wollte nach drei Monaten zurück.“ Doch dann wendete sich das Blatt. Davala wurde in die türkische U-21-Nationalmannschaft berufen. Am 9. April 1996 feierte er im Freundschaftsspiel gegen Aserbaidschan seine Premiere und zwei Tore. Noch im Winter wechselte er zum Club Istanbulspor, mit dem er den Aufstieg in die Erste Liga schaffte. Hier kam er dann aber mit dem deutschen Trainer Herbert Neumann nicht zurecht und ging den Schritt zurück zum Zweitligisten Diyarbakirspor.

Titelhamster und Bauunternehmer
Es folgte dennoch die Berufung in die Nationalmannschaft und Davala wusste, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. „Es war zwei Jahre lang ein schwieriger Weg, bei dem ich viel Geduld aufbringen musste. Aber man schätzt den Wert dieser Zeit, wenn man oben ist“, erklärt der heute 44-Jährige. Und oben war der gebürtige Mannheimer definitiv. Mit Galatasaray Istanbul wurde er viermal türkischer Meister, zweimal Pokalsieger und gewann den Uefa-Pokal (1999/2000). Über die Stationen AC Mailand, Inter Mailand und einer kurzen Ausleihe zurück zu Galatsasaray Istanbul landete er 2003 beim SV Werder Bremen. „Ich bin dort angekommen und habe gesagt, dass ich hier bin, um Meister zu werden“, erinnert er sich. „Dabei wurde ich kritisch angeschaut.“ Am Saisonende hielt er auf dem Rathaus-Balkon die Meisterschale nach oben und bestätigte seine großen Worte. Legendär wurde der Schlachtruf der Bremer Fans „Jalla, Jalla, Ümit Davala.“

Eine besondere Verbindung bestand zum damaligen Trainer Thomas Schaaf, der ebenfalls gebürtig aus Mannheim stammt. „In der Kabine haben wir manchmal schon aus Spaß feinstes Mannemerisch gesprochen. Das hat keiner verstanden“, lacht er. In Bremen musste er seine aktive Karriere allerdings wegen einer Hüftverletzung beenden.

Von 2006 bis 2008 trainierte er die U-21-Nationalmannschaft der Türkei und brachte Spieler wie Nuri Sahin oder Mevlüt Erdinc groß raus. Zweimal war Davala noch Co-Trainer bei Galatasaray Istanbul, zog sich aber erst einmal zurück und gründete eine Baufirma. Doch der Profifußball ließ ihn nicht los.

„Zusammen mit Murat Erdogan und Cihan Haspolatli haben wir den Verein Tuzlaspor gekauft. Es war ein Modellversuch, einen Verein nur mit ehemaligen Profispielern zu führen“, berichtet er über den Istanbuler Vorortclub. Sportlich hinkt man beim Zweitligisten den eigenen Erwartungen hinterher. „Wir stehen auf einem Abstiegsplatz und haben den zweiten Trainer in dieser Saison entlassen“, schildert er. Nach einem Kurzurlaub in Mannheim hat Davala das Traineramt selbst übernommen. „Wir müssen die Mannschaft auf den Weg bringen. Der Klassenerhalt ist das Ziel, mittelfristig wollen wir aber aufsteigen“, verdeutlicht der Inhaber einer Uefa-Pro-Lizenz seine Pläne. Nicht mehr mit dabei ist Mikail Erdem, der den Sprung vom 1. FC Turanspor Mannheim über den FK Pirmasens II zu Tuzlaspor gewagt hat, aber vom inzwischen entlassenen Trainer aussortiert wurde.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 16.11.2017

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